Lektionen von August Rush

•Juli 13, 2009 • 1 Kommentar

Eine Szene später sitzen Wizard und Evan zusammen unter der zerfallenen Glaskuppel des alten Theaters und beobachten die Sterne. Sie reden darüber, woher die Musik kommt, die der Junge hört. Schließlich stellt Evan fest: „Nicht alle können es hören.“ Doch Wizard entgegenet: „Nicht alle hören zu!“

Ich liebe diese Szene, weil sie mir immer wieder vor Augen hält, wie wenig ich von der Wirklichkeit verstehe. Und weil sie mir zeigt, was ich von der Wirklichkeit verstehen möchte. Ich will zuhören. Jürgen Moltmann hat in einem Interview mit chrismon über unser Verständnis von Wirklichkeit ein paar schlaue Sachen gesagt. Für ihn besteht Wirklichkeit aus der Realität und der Möglichkeit. Die Realität sieht er als verwirklichte Möglichkeit. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit – denn so wäre unsere Realität in sich selbst festgelegt und unveränderbar.

Evan dagegen lebt in „Der Klang des Herzens“ in einer ganzheitlichen Wirklichkeit. Für ihn gibt es die Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Realität die Möglichkeit zur Veränderung hat. Deshalb hört er mehr als andere Menschen. Seine Hoffnung auf etwas Größeres, das Vertrauen, dass seine Eltern ihn gewollt haben, machen es ihm möglich zuzuhören. Das Ergebnis ist wunderbare Musik, die den Klängen und Geräuschen der schnöden Realität einen Platz in einem Kunstwerk gibt.

Hoffnung… Vertrauen… Kenne ich doch irgendwoher. Genau dazu hat Jesus uns berufen – zur Hoffnung für uns, für andere, für diese Welt. Er hat im Vertrauen auf das Reich Gottes gelebt. Einem Reich voller Möglichkeiten, die die Realität verändern. Genau das wünsche ich mir: Ich will die Wirklichkeit dieser Welt mit all ihren Möglichkeiten sehen. Ich will zuhören und wie Evan die Musik hinter den Klängen und Geräuschen hören. Ich wünsche mir, die Geschichten hinter den Fakten zu sehen. Ich wünsche mir, die Kinder Gottes in den Menschen zu sehen.

Und vielleicht, ganz vielleicht, höre ich dann auch irgendwann die Sinfonie der Wirklichkeit…

Die Träumerin

•Juli 8, 2009 • 1 Kommentar

Menschen sind mit dem Fluch oder Segen ausgestattet, eine bestimmte Verbindung zwischen Kopf und Herz zu haben. Sie sehen etwas, sie hören etwas, sie leben etwas und im nächsten Moment ist das Gesehene, Gehört oder Erlebte nicht mehr nur Teil ihrer Wahrnehmung. Es wird etwas Größeres daraus. Der Gedanke wird zu einem Wunsch. Das Ist wird zu einem Potential. Die Gegenwart wird zur Zukunft. Angestoßen durch eine Sehnsucht, die aus dem Herzen kommt. Das sind die Träumer.

Ich habe von Farben geträumt. In dem, was mir begegnete, war zu viel Schwarz und Weiß. Oder zu viel Grau. Das kam auf die Geschichte der Dinge an. Und diese Geschichte war oft erschreckend blutrot unter dem Grau. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und heute träume ich von einem Gemälde.DSC03137

Ich habe von einer ganz normalen Familie geträumt. In dem, was ich leben (musste) schienen dagegen meine Sinne abzustumpfen. Das war nicht die Schuld von Menschen. Schuld war das Gefängnis, das wir frei gewählt hatten. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und heute träume ich von dem Einzigartigen.

Ich habe von den „richtigen“ Freunden geträumt. In dem, was ich als Freundschaft kannte, waren zu viele Verletzungen und Enttäuschungen, zu viel Versagen für ein so schwaches Herz. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und heute träume ich von Gemeinschaft.

Ich habe von einer Existenz geträumt. In dem, was ich gesehen hatte, stand die Gier neben dem Geiz und jeder rannte sich selbst hinterher. Vernebelt vom Sinn und Verstand der angeblichen Realität. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und heute träume ich von einem Leben.

Ich habe von einer Kirche geträumt. In dem, was mich umgab, stand der Schein über dem Wollen und die Macht über dem Sein. Die Ecken und Mauern waren grau geworden. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und heute träume ich vom Leib Christi.

Ich habe davon geträumt, Gott zu erleben. Doch es scheint immer einen Schleier der Ungewissheit und des Zweifels zu geben. Aber noch mehr: Es scheint auch immer ein Ahnen, ein Sehnen, ein Hungern nach ihm zu geben. Ich habe gesehen, ich habe gelernt. Ich bin gewachsen. Ich bin älter geworden. Und ich träume immer noch davon, Gott zu erleben.

Die vergessene Generation

•Juni 17, 2009 • 2 Kommentare

Manchmal kann ich erst dann in Worte fassen, wonach ich mich sehne, was mein tiefster Wunsch, mein innigstes Gebet ist, wenn ich ein Stück, ein Flackern, ein Glänzen davon gesehen habe. Aber dann überfällt mich das Erkennen mit so unglaublicher Wucht, dass es fast schon weh tut. Die Frage, warum ich das nicht haben darf, was ich bei anderen sehe, will mich verleiten, Gott dafür anzuklagen. Und ihm die Schuld zu geben. Und über die (von ihm) vergessenen Generationen zu trauern.

Das Sehnen, Anklagen und Trauern war auch Teil meiner Zeit auf NetworkXXL. Zu erleben, wie viel Liebe und Hoffnung und Freude für die vielen jungen Leiter dort da war, hat sehr weh getan. Zu sehen, dass der Referent aus England sich zwei seiner Menti unter den Arm klemmt und sie mitnimmt auf das Camp nach Deutschland – einfach, weil er dorthin geht, einfach, weil sie hinterher gehen und lernen können – hat mir einen Stich ins Herz versetzt.

Ich habe nicht verstanden und verstehe noch nicht, warum ich genau darum mit aller Macht kämpfen muss. Ich klage Gott an, warum meine Generation an so vielen anderen Stellen Deutschlands vergessen wird. Eine vergessene Generation junger Leiter. Eine vergessene Generation unglaublich begabter, manchmal schwer zu zähmender und gleichzeitig so nach (An-)Leitung suchender Leiterpersönlichkeiten. Das lässt mein Herz bluten. Wobei es nicht einmal ganz konkret um mich geht. Eigentlich ist es viel mehr das Potential, das ich in diesen Menschen sehe. Ein Potential, was sich durch so viele Fehler und Alleingänge einen Weg bahnen muss und durch Charakterschwächen und nicht ausgesprochene Kritik gehemmt wird.

Aber langsam sickert die Erkenntnis durch, dass nicht wir die vergessene Generation sind. Dazu machen wir zu viel Wind. Dazu entstehen unter unseren Händen zu viele neue Aufbrüche, Bewegungen und Initiativen. Vielleicht ist die vergessene Generation eher diejenige, die heute Anfang 40 ist. Sie haben sich vergessen, Gott vergessen, uns vergessen. Vielleicht sollte ich viel mehr über diese Generation trauern, die vergessen zu haben scheint, welchen Schatz sie dieser Welt zu geben hat. Vielleicht sollte ich lieber darüber trauern, dass so viele, die geistliche Mütter und Väter sein könnten, immer noch steif und fest behaupten, dass sie „zu jung“ seien, nicht erwachsen genug, nicht reif genug. Mit diesen Argumenten verschwinden sie in der Vergessenheit.

Vielleicht geht es aber gar nicht darum zu trauern. Vielleicht muss es so sein, dass wir die Energie unserer Generation in Herausforderung investieren. Investieren in die Herausforderung der Generation vor uns, die sich vergessen hat. Vielleicht ist es an uns, unsere geistlichen Mütter und Väter wachzurütteln, wenn sie schlafen – einfach ihre Hilfe einzufordern? Vielleicht ist es aber auch an uns, selbst schon Mutter und Vater für die nach uns zu sein, auch wenn uns genauso das Gefühl des Nichtgenügens im Nacken sitzt. Vielleicht ist es an uns – an mir, die Sehnsucht in Aktion und die Klage in Liebe zu Gott umzusetzen.

Letztendlich will ich doch, wünsche ich mir doch, sehne ich mich doch danach, dass mich genau das treibt: Die Liebe zu Gott – und deshalb zu den Menschen. Zu den vergessenen Generationen.

Die Frage nach dem WARUM

•Mai 23, 2009 • 1 Kommentar

Warum wurde Marburg in den vergangenen Tagen von Polizisten überschwemmt? Warum wurde die Stadt davor mit Plakaten zugekleistert? Warum wurden Themen aus der Luft gegriffen, über die dann jeder konstruktive Dialog verweigert wurde? Warum sind Leute erschrocken, als ihr Ruf plötzlich auf dem Spiel stand – und nicht nur ihr Ruf als Fachfrau/-mann, sondern vor allem ihr „Ruf als Christ“? Warum fand eine wahnwitzige Demonstration statt, die – mit Verlaub gesagt – ihre eigene Dummheit als Erfolg verbuchte?

Um den APS-Kongress in unserer kleinen mittelhessischen Stadt hat sich ein Wust von Aktionen, Fragen, Beschuldigungen und Ängsten aufgehäuft. Das Ergebnis sind beschmierte Häuserwände, ein gekreuzigtes Schwein, verbohrte Sturheit – und jede Menge Angst und Unverständnis. Außerdem haben wir: Eine Kongressleitung, die von den Ereignissen überrollt wurde. Eine aggressive Szene um  den Lesben- und Schwulenverband, den AStA Marburg und einige frustrierte Leute. Eine Initiative für Meinungsfreiheit, die als Unterstützung gedacht war, aber den Konflikt letztlich nur noch mehr angeheizt hat. Irritierte Marburger Bürger und eine Stadtpolitik, die wohl oder übel auf den fahrenden Zug aufspringen musste. Überforderte Gemeinden und Christen, die sich in ihrem persönlichen Glauben gekränkt fühlen – weil sie in eine Ecke namens „Homo-Heiler“ gedrängt wurden. Ohne dazu jemals gefragt worden zu sein. Geschweige denn, vor den Ereignissen in Marburg schon einmal darüber nachgedacht zu haben.

WARUM ist das alles eigentlich passiert? Haben wir in den letzten Wochen nur „Nachwehen“ der Ereignisse vom Christival 2008 zu spüren bekommen? Oder ist es eine anti-christliche Entwicklung, die so schnell von den christlichen „Stimmungsmachern“ wahrgenommen wurde? Glücklicherweise ist ja nichts passiert. Aus welchen Gründen auch immer. Die Demonstration blieb friedlich, der Kongress läuft und die Parolen an den Häuserwänden werden wahrscheinlich auch bald wieder verschwunden sein. Genauso die Plakate, die sich gegen Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentatlismus stark machen.

Es bleibt die Frage nach den Konsequenzen. Dass ein wissenschaftlicher Fachkongress so sehr in die Schlagzeilen gerät, noch dazu in Bezug auf Themen, die auf dem eigentlichen Kongress gar keine Rolle spielen, sollte Konsequenzen haben. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, warum Christen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, sobald sie sich in die Öffentlichkeit begeben? Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob das nicht sogar der Normalfall sein sollte? Vielleicht sollten wir aber auch darüber nachdenken, wie Jesus eigentlich gehandelt hätte…

Das einzig Gute an den Diskussionen um den Kongress war wohl, dass sie die Teilnehmer zusammengeschweißt haben. Schön, dass auf einem Kongress zum Thema Identität so greifbar und erlebbar wurde, worüber man eigentlich nur reden wollte.

Irgendwas bleibt… und andere verbindliche Probleme

•April 18, 2009 • Kommentar schreiben

Silbermond haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Anders kann man das wohl nicht sagen. Alle Probleme und Sehnsüchte der Postmoderne in ein Lied zu packen – das ist schon eine Leistung! Denn „Irgendwas bleibt“ von ihrer neuen CD „Nichts passiert“ erzählt nichts anderes als unsere Geschichte. Die Geschichte des 21. Jahrhunderts.

Am meisten fasziniert hat mich beim ersten Hören, dass wir uns selbst als Opfer erleben. Wir sehen uns als Opfer einer immer schneller rotierenden Welt. Wir erleben, dass uns unsere ach so wichtige Freiheit in den Rücken fällt. Und die Unverbindlichkeit, die wir so lieben, macht uns plötzlich Angst.

Warum eigentlich? Warum fangen wir an, wieder die „alten“ Begriffe auszubuddeln – Beständigkeit, Treue, Sicherheit oder Tradition? Schließlich schaffen wir es ja doch nicht, diese Begriffe mit Leben zu füllen, ihnen eine Gestalt zu geben.

Denn wir sind ja Opfer – Opfer unserer Erziehung, die uns keine Werte mehr gelehrt hat. Oder Opfer der Umstände, die es uns nicht erlauben, die Familie dem Job vorzuziehen. Oder wir wechseln einfach kurz die Seiten: Dann ist es nur natürlich, dass aus einer Beziehung nach ein paar Jahren die Luft raus ist. Es ist dann eh nichts mehr zu retten. Man muss ja auch immer in Bewegung bleiben…

Aber diese Art von Selbstverarschung (um mal ein aussagekräftiges Wort zu verwenden) haben wir wirklich gut drauf. Wir sehnen uns nach Verbindlichkeit – und zwar in jeder Hinsicht – und gleichzeitig scheuen wir den Preis, den uns diese Verbindlichkeit kosten würde. Verbindlichkeit würde bedeuten, sich festzulegen. Verbindlichkeit würde bedeuten, Möglichkeiten in den Wind zu schlagen auf die Gefahr hin, etwas zu verpassen. Verbindlichkeit würde bedeuten, unser Tempo von anderen drosseln zu lassen. Kurz: Verbindlichkeit bedeutet Arbeit! An uns selbst. Nichts hassen wir mehr, als an uns selbst zu arbeiten!

Dabei geht es nicht darum, kleinere oder größere Schönheitskorrekturen vorzunehmen. An sich zu arbeiten – darunter verstehen wir meistens, sich neue Fähigkeiten anzueignen, abzunehmen, mehr zu lesen, Sport zu machen… Meine Definition sieht ein bisschen anders aus. Das Arbeiten an uns ist ein „weniger Werden“. Ein bewusstes Aufgeben von Träumen, Zielen, Menschen oder Aufgaben. Wie ein Bildhauer aus einem schnöden Stück Holz nach und nach Formen entstehen lässt, so formen uns Verbindlichkeiten. Gerade weil sie ausschließen, absterben lassen und einengen.

Tja, bleibt noch die Frage, ob Silbermond das gemeint haben, als sie ihren Song geschrieben haben. Und es bleibt die Frage, ob wir das Jammern aufgeben und wirklich etwas verändern.

Und weiter geht’s…

•April 8, 2009 • Kommentar schreiben

Es ist geschafft!

Na ja, fast zu mindest. Hausarbeiten sind abgegeben. Anmeldung zum Abschlussmodul – hm, sagen wir mal so: Läuft. Bewerbungen sind unterwegs. Und hinter der nächsten Ecke lauert die Bachelorarbeit. Aber noch macht sie ein freundliches Gesicht. Ach, und mein Buch ist erschienen! (Wen’s interessiert: hier klicken)

Jetzt komme ich sogar dazu, wieder ein bisschen zu bloggen. Also alles in Ordnung. Alles wie gehabt. Oder nicht?

Hm, eigentlich eher nicht. Ich habe vor Kurzem eine Geschichte gelesen, die ganz gut erklärt, was mich gerade beschäftigt…

Der König eines alten Reiches hörte davon, dass ein Akrobat, ein Seiltänzer durch seine Lande zog. Der Ruf, spektakuläre Kunststücke zu vollführen, eilte ihm voraus und der König beschloss, den Seiltänzer einzuladen, um eine Kostprobe seines Könnens zu bekommen. Der Akrobat willigte gerne ein. Für seine Aufführung vor dem König hatte er sich etwas Besonderes ausgedacht: Sein Seil spannte er über einem Wasserfall auf.

Als sich der König mit seinem Gefolge am Wasserfall versammelt hatte, machte der Seiltänzer seinem Ruf alle Ehre! Begeistert klatschten die Zuschauer in die Hände, als er leichtfüßig von einer Seite des Wasserfalls zur andern lief. Schließlich rief er zum König herunter: „Glaubt Ihr, dass ich eine Schubkarre über das Seil schieben kann, ohne hinunterzufallen?“

Enthusiastisch antwortete der König: „Euch traue ich alles zu! Ich glaube, dass Ihr das fertigbringt!“ Gleich darauf lief der Seiltänzer tatsächlich mit einer Schubkarre über das Seil, leichtfüßig und elegant wie zuvor. Dann rief er zum König hinunter: „Glaubt Ihr, dass ich in der Schubkarre einen Sack Kartoffeln über das Seil schieben kann, ohne hinunterzufallen?“ Der König antwortete wie zuvor, dass er ihm dies zutraue. Und wirklich beförderte der Akrobat ohne Schwierigkeiten eine Schubkarre voller Kartoffeln über das Seil.

Ein drittes Mal rief er zum König hinunter: „Glaubt Ihr, dass ich einen Menschen in der Schubkarre über das Seil befördern kann, so dass weder ihm noch mir etwas geschieht?“ Der König antwortete im Brustton der Überzeugung: „Ich glaube, dass Ihr das könnt!“ Darauf antwortete der Seiltänzer: „Nun denn, mein König, es wäre mir eine Ehre, wenn Ihr in der Schubkarre Platz nähmt.“

Totenstille legte sich über den Platz. Der König war zu keiner Antwort fähig. Angst und Panik spiegelten sich in seinem Gesicht. Schließlich brachte er stotternd ein „Nein“ hervor, drehte sich um und rannte wenig königlich zu seiner Kutsche. Der Seiltänzer hatte sich auf seinem Seil niedergelassen und schaute auf die Menschen unter ihm. Ein trauriges Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er zu seinem Publikum hinunter rief: „Ihr existiert, aber ihr lebt nicht. Ihr arbeitet, aber ihr schafft nicht. Ihr glaubt zwar, aber ihr vertraut nicht. Und keine Medizin könnte euch heilen.“

„Ihr glaubt, aber ihr vertraut nicht.“ – Genau darum geht es! Ich kann Gott all das glauben, was er zugesagt und über dieser Welt ausgesprochen hat. Aber wieso fällt es mir so schwer, darauf in meinem Leben zu vertrauen?! Vielleicht kommt es gerade so weit, dass ich mich in die Schubkarre setze. Aber spätestens dann fange ich an, mich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren, dass Gott mit mir das Seil betritt. Dabei könnte ich die phänomenale Aussicht genießen, mich entspannt zurücklehnen… Könnte!

Ab und zu sickert dann die Erkenntnis durch, dass ich an vielen Dingen eh nichts mehr rütteln kann. Alles, was es für die Uni vorzubereiten gibt, ist vorbereitet. Der Rest hängt nicht von mir ab. Alles, was ich in Sachen Ausbildung tun konnte, ist getan (oder wird gerade getan). Ich kann nur auf Reaktionen warten. Also, ab in die Schubkarre, oder?

Von Käfigen und anderen Dingen

•März 4, 2009 • Kommentar schreiben

Es gibt so einiges auf dieser Welt, was wir nicht verstehen. Verstehen im Sinn von rational erfassen, begreifen, durchschauen. Warum die Sonne jeden Morgen auf und jeden Abend untergeht zum Beispiel. Was Liebe ist. Was das für eine Sehnsucht in uns ist.

Natürlich geht die Sonne jeden Morgen auf und jeden Abend unter, weil die Erde sich um die Sonne dreht. Natürlich! Ja, aber das ist nur das WIE. Nicht das WARUM! Natürlich gibt es Liebe. Jeder redet darüber. Jeder kennt sie – oder glaubt zumindest, sie zu kennen. Aber WAS ist Liebe? Gefühl, Entscheidung, ein Pfeil aus Amors Köcher? Und unsere Unzufriedenheit mit dem Jetzt, woher kommt sie? Was treibt uns dazu, immer höher, weiter, schneller, besser, schöner, perfekter werden zu wollen?

Es wurmt uns, dass wir nicht verstehen können! Deshalb versuchen wir zu erklären. Erklären im Sinn von beschreiben, erläutern und definieren.

Diese Erklärungen beginnen wir mit WEIL und wir bilden uns ein, damit die Ursache zu beschreiben. Die Sonne geht jeden Morgen auf, weil unser Sonnensystem physikalischen Gesetzen gehorcht. Diese Gesetze haben wir beschrieben, untersucht und können sie anwenden. Aber was ist die Ursache dahinter? Wann hat das WEIL angefangen? Wer hat das WEIL beginnen lassen?

Unsere Definitionen suchen Worte für Dinge wie Liebe. Wir nennen sie abstrakt. Wie lächerlich, etwas als abstrakt zu bezeichnen, was die Grundfesten dieser Welt bildet. Also versuchen wir, Vergleiche zu finden. Liebe ist wie… Und dann kommen psychologische, biologische, soziologische, in jedem Fall oberflächlich logische Erläuterungen.

Was wir nicht beschreiben oder definieren können, verschweigen wir. Wir verstecken uns hinter Rationalität und dem, was getan werden MUSS, weil diese Sehnsucht in uns droht, unsere Welt zu sprengen. Wir haben Angst!

Aus Angst stecken wir Dinge in Käfige. Unsere Fragen nach dem WARUM des Sonnenauf- und -untergangs kommen in wissenschaftliche Käfige. Und ich muss zugeben, dass diese Käfige gut funktionieren. Zumindest bis zu diesem sagenhaften Augenblick, wo sich der Nebel vom Gletscher hebt und die Berggipfel ringsum in ihrer ganzen Pracht zu sehen sind. Dann aber ist es schwer, die Frage nach dem WARUM weiter zu ignorieren. WARUM gibt es solch eine Schönheit?

Unsere Frage nach dem WAS der Liebe haben wir in ein Wort gesteckt. Worte sind Käfige, an denen immer wieder gerüttelt wird. Dadurch verändern sie ihre Bedeutung, werden weiter oder enger oder ändern ihren Geschmack. Traurigerweise lassen sich diese Käfige missbrauchen. Sie werden vergoldet, verziert, modernisiert und an eine Idee gekettet. Eine Idee von Genuss. Eine Idee von Befriedigung. Eine Idee von Schönheit, Schlankheit, Geld, Erfolg. Und dabei geschieht etwas Furchtbares: Was wir in diesem Käfig eingesperrt haben, stirbt langsam. Je stärker die Ideen werden, an die der Käfig gekettet ist, je mehr wir ihn verzieren, desto schwächer wird das, wonach wir uns eigentlich sehnen. Und dann gibt es kein Zurück mehr vor der Frage nach dem, WAS Liebe ist.

Unser Streben nach Definitionen, nach Berechenbarkeit und Ordnung baut Käfige. Käfige, die den Tod bringen für das, was wir eingesperrt haben. Und das ist unser Tod: Wir verlernen, die Schönheit der Sonne zu sehen, die jeden Morgen, wirklich jeden Morgen für uns aufgeht, um abends wieder hinter dem Horizont zu verschwinden. Wir verlernen in der Liebe zu leben und streben nur noch nach den Ideen, die wir an die Liebe gekettet haben.

Retten kann uns wahrscheinlich nur das, wovor wir am meisten Angst haben. Retten könnte uns, der Sehnsucht nachzugehen, die wir so hartnäckig zu verschweigen versuchen. Sie ist es, die sich zwischen den Gitterstäben der von uns gebauten Käfige hindurch stiehlt. Sie ist es, die mit großen Kinderaugen und vor Staunen sprachlos auf die Schönheit dieser Welt blickt. Und in ihr beginnt ein dankbares Ahnen des WARUM. Sie ist es, die uns dazu treibt, immer wieder daran zu glauben, dass die Liebe existiert, auf die wir hoffen.

Und vielleicht, vielleicht wird diese Sehnsucht eines Tages stark genug sein, um unsere Käfige zu zerbrechen. Bis dahin ist es Gottes geduldige Güte, die zulässt, dass wir mit unseren Käfigen leben, die selbst das Sterben seiner Schöpfung zulässt, bis wir wirklich verstehen wollen.

Die Wahl des Quälens

•Februar 14, 2009 • Kommentar schreiben

Das Leben ist weder ein Ponyhof, noch ein Kindergeburtstag. Wusste ich schon. Ist ein alter Zopf.

Aber dass es so schwer sein würde, Entscheidungen zu treffen…. Puh! Bis jetzt hat sich immer alles von selbst ergeben. Das sagen zumindest die Erinnerungen an die letzten fünf Jahre meines Lebens.

Und plötzlich tauchen Fragen auf, die ich bis jetzt erfolgreich ausblenden konnte: Will ich Karriere machen? Was ist mir wichtig? Ist der Beruf mein Leben? Oder brauche ich einen Beruf zum Geldverdienen? Wie ehrgeizig bin ich? Wie sehr würde es mich kratzen, nicht alle meine Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben? Brauche ich die Anerkennung von außen? Wenn ja, wie nötig brauche ich sie? Was für ein Leben stelle ich mir vor? Welche finanziellen Möglichkeiten möchte ich haben? Wie flexibel muss dieses Leben sein, damit ich nicht einroste? Was darf sich verändern? Was muss sich verändern? Und noch viel wichtiger: Was darf sich nicht ändern? Was soll die Konstante in meinem Leben sein?

Vor allem – bin ich dafür nicht noch viel zu „klein“? Wenn ich mal groß bin, dann… Tja, jetzt ist wohl so langsam der Moment gekommen, wo ich groß sein sollte. Immerhin, so viel weiß ich: Ein Radio-Volo wäre nicht schlecht. Das wäre sogar ausgesprochen großartig!

Das allerdings wirft das schon wieder die nächsten Fragen und Gedanken auf: Warum sollte jemand ausgerechnet mich nehmen? Was kann ich denn schon? Es gibt so viele Leute, die das viel besser können als ich. Reicht mein Ehrgeiz so weit, mich dort durchzuboxen? Noch viel wichtiger: Reicht meine Kraft, um dort nicht unterzugehen? Weiß ich genug? Kann ich genug? Habe ich genug Talent? Bin ich gut genug? Wenn ich mal groß bin… Gehört das nicht dazu, zum „Großsein“? Dass man weiß, wer man ist und was man kann?

Und Gott? Tja, der sagt nur so viel: „Mach mal, mein Kind. Geh einfach los. Mehr musst Du gerade nicht wissen!“

Es ist gut zu wissen, dass ich keine falsche Entscheidung treffen kann. Ich weiß zwar nicht, wo es hingehen wird, aber es wird gut werden! Ich weiß zwar nicht, ob überhaupt und hinter welchem Mikrofon ich stehen werde, aber es wird gut sein. Ich weiß, dass es nicht einfach werden wird und trotzdem wird es gut werden!

Und da ist immer noch ein Versprechen… (nur das Video ist nicht so schön. Also einfach weggucken und Ohren aufsperren!)

Mosaik – Oder: Hä, das ist ein Gottesdienst?

•Februar 4, 2009 • Kommentar schreiben

pichl_kunstmarkt_192007_036a_328054_by_karl-heinz-liebisch_pixeliodeMan sagt ja so: Was lange währt, wird endlich gut. Und zumindest was ein Ereignis am letzten Sonntag angeht, stimme ich da durchaus zu!

Am Sonntagnachmittag gegen 16:30 Uhr füllte sich das ChristHaus nämlich noch einmal mit Leben. Nicht, dass sonntags nicht so schon genug Betrieb wäre in dem ehemaligen Kurhotel am Ortenberg. Immerhin finden zwei Vormittagsgottesdienste und abends der International Worship Service statt. Und trotzdem ist es eng geworden. Also, warum keinen neuen Gottesdienst starten?!

Genau das ist mit CT Mosaik jetzt passiert. Obwohl… Ist das ein Gottesdienst?

Wie kann man ein Treffen von ungefähr 40 Leuten – Familien mit ihren Kids, junge Erwachsene, alteingesessene CTler – am besten bezeichnen, das mit 20 Minuten Kaffeetrinken startet und, umrahmt von liturgischen Elementen, in die verschiedensten Gruppen führt?  Wenn Du Lust darauf hast, über den Bibeltext nachzudenken, kannst Du ins Bibelgespräch gehen oder Dich in die Kapelle setzen, um in Ruhe nachzudenken. Dort sind auch Leute, die gerne für Dich beten und Dich segnen. Die Chaoskirche dagegen ist für alle, die Action brauchen – besonders die Kinder: Spiele, Rumrennen, Lachen und der ganz normale Wahnsinn. Ein paar Zimmer weiter geht es auch kreativ zu. Dem Lob Gottes mit Bewegungen und Tanz Ausdruck zu geben, das hat eigentlich schon David gemacht. Komisch, dass wir das zwischendrin immer wieder vergessen… Demnächst wird hier gemalt, gelesen, gestaltet. Im Keller gibt es Unplugged Worship. Ein paar Leute brechen zu einem Gebetsspaziergang auf. Oder Du bleibst einfach im Communio, um mit Freunden zu plaudern.

Zum Schluss kommen alle noch einmal zusammen zu einem liturgischen Abschluss. Klein, dezentral, frei. Und das war dann Gottesdienst?

Ich habe das ChristHaus am Sonntag mit einem seltsamen Gefühl verlassen. Einerseits war das so völlig anders, als alles, was ich bis jetzt in Sachen Gottesdienst erlebt habe. Andererseits hatte ich lange keine so spannende und entspannte Zeit mehr, wo ich zusammen mit anderen Gott gelobt habe und ihm begegnet bin.

Mmmmh, lecker!

•Januar 26, 2009 • Kommentar schreiben

Alle, die gestern Nachmittag nicht in Marburg und im Steinweg-Haus waren, haben wirklich etwas verpasst!

Stattgefunden hat dort nämlich das berühmt-berüchtigte ConneCT-Café. Zwar erst zum zweiten Mal in der Bestehensgeschichte von ConneCT, aber hey! Für einen Euro pro Getränk, ließen sich hier nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich beeindruckende Cappuccions, Marocchinos, heiße Schokoladen und Chocolacchinos erwerben.

Gedacht war das Ganze als nette Aktion am Semesterende, wo diejenigen, die gerade im Klausurenstress stecken, ausruhen können. Wer sich sowieso mit Freunden treffen wollte, konnte das einfach in eine gemütliche Café-Atmosphäre verlegen. Wer es bis jetzt im Christus-Treff schwer hatte, einen Fuß in die Tür zu kriegen, konnte hier alte CT-Hasen und andere gerade Angekommene kennenlernen.

Und ich muss sagen, es war ein voller Erfolg! Es sind unglaublich viele vorbeigekommen, haben sich bedienen lassen und genossen, haben geredet und gelacht, Gutes und Schweres geteilt und – so fern man das wollte – neue Leute kennengelernt.kaffeeherz_336396_by_shainz_pixeliode

Was mich am meisten beeindruckt hat? Die Freude und Liebe, mit der unsere Mitarbeiter Bestellungen entgegengenommen, Kuchen geschnitten, Kaffee gekocht, Milchschaum geschlagen oder Sahnhauben mit Schokostreuseln verziert haben. Sie reden damit so „laut“ von Jesus, dass es nicht zu „überhören“ ist. Wenn es zu Jesu Zeiten schon Cafés in Israel gegeben hätte, dann würde es mich nicht wundern, wenn einer der Evangelisten von einer Situation, wie wir sie gestern Nachmittag hatten, berichtet hätte.

Allerdings bleiben auch diese quälenden Fragen: Welche Auswirkungen hat diese Aktion im Leben derjenigen, denen wir damit gedient haben? Müsste man nicht viel mehr tun? Hätten wir zum Café nicht vielleicht lieber die Obdachlosen, Kranken, sozial Schwachen einladen sollen? Hätten wir nicht noch eine kurze Predigt dazwischen schieben sollen, die darauf aufmerksam macht, dass all das Kostbare, was unsere Gäste hier bekommen, zum Weitergeben gedacht ist? Fördern wir so nicht gerade das „Im eigenen Saft“-Schmoren?